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Gute-Nacht-Geschichte zum Vorlesen · etwa 11 Minuten

Paco und Elina, das perlmuttfarbene Einhorn, im Palast der funkelnden Bonbons

Eine ruhige Einschlafgeschichte zum Vorlesen – Paco trifft Elina, das perlmuttfarbene Einhorn im Palast der funkelnden Bonbons. Etwa 11 Minuten. Kostenlos lesen.

Tief im Bambuswald, wo die Halme so hoch wuchsen, dass sie die Sterne zu kitzeln schienen, lag Paco, das Panda-Baby, in seinem weichen Moosnest. Das Moos war kühl und dick wie ein Kissen aus grüner Wolle, und ringsum war es ganz still. Nur der Wind strich vorbei und bewegte die Bambusblätter, sodass sie leise raschelten, immer wieder, wie ein Lied ohne Worte. Zwischen den Halmen schwebten Glühwürmchen und malten kleine goldene Punkte in die Dunkelheit. Mama Panda saß bei Paco und streichelte ihm langsam über sein weiches Fell. "Heute Nacht wartet eine besondere Traumreise auf dich", sagte sie sanft. "Du wirst Elina treffen, das perlmuttfarbene Einhorn. Und ihr beide werdet einen Palast entdecken, in dem alles aus funkelnden Bonbons gebaut ist." Paco lächelte schon halb im Schlaf. Mama Panda gab ihm einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn und deckte ihn mit einem Mantel aus warmen Blättern zu. Paco schloss die Augen und schlief friedlich ein. Und dann begann die Reise.

Als Paco die Augen wieder öffnete, saß er auf einer Treppe aus hellblauem Zuckerglas. Vor ihm erhob sich ein Palast, so hoch, dass seine Türme im rosa Abendhimmel verschwanden. Die Mauern waren aus tausenden funkelnden Bonbons gebaut, rot, gelb, grün und veilchenblau, und jedes einzelne leuchtete von innen wie eine kleine Laterne. Es duftete nach Himbeere, Vanille und ein wenig nach Pfefferminz, was Paco angenehm in der Nase kribbelte. Irgendwo klingelte es leise, ein feines Klirren, als würden hunderte Bonbons aneinanderstoßen. Ein warmer Wind wehte über die Treppe und trug klebrig-süße Zuckerwatteflocken mit sich. Paco streckte die Pfote aus, berührte eine Mauer und spürte, wie sie unter seinen Fingern sanft vibrierte, als würde der ganze Palast leise singen.

Paco stieg die Treppe hinauf und trat durch ein Tor aus Lakritzbögen. Da stand sie: Elina, das perlmuttfarbene Einhorn. Ihr Fell schimmerte wie das Innere einer Muschel, mal rosa, mal silbern, mal blassgold, und ihr Horn drehte sich in feinen Windungen nach oben. "Du bist Paco", sagte Elina und senkte den Kopf zur Begrüßung. "Ich habe auf dich gewartet. Dieser Palast ist etwas Besonderes, aber er hat ein Geheimnis." Paco setzte sich neugierig auf den glatten Boden. "Was für ein Geheimnis?" Elina blickte hinauf zu den Türmen. "Der Palast singt. Jedes Bonbon hat einen eigenen Ton. Aber er singt nur, wenn niemand zu laut ist." Paco nickte langsam und hielt schon fast unwillkürlich die Luft an.

Gemeinsam gingen sie in die große Halle. Dort hingen Kronleuchter aus Zuckerkristallen, und der Boden war mit Bonbons ausgelegt, die bei jedem Schritt einen anderen Ton gaben. Paco hüpfte begeistert auf ein orangefarbenes Bonbon. Pling. Dann auf ein grünes. Plong. "Das ist wie ein riesiges Klavier", rief er und lachte laut. Im gleichen Augenblick verstummte etwas. Das feine Singen der Mauern brach ab, und mehrere Bonbons über ihnen wurden matt und grau. Paco erstarrte. "Oh", flüsterte Elina, "das habe ich befürchtet. Der Palast ist sehr empfindlich. Wenn wir nur an uns denken, hört er auf zu klingen." Paco schaute betreten auf seine Pfoten. "Das wollte ich nicht."

Elina stieß ihn ganz leicht mit der Nase an. "Das weiß ich doch. Du hast dich einfach gefreut. Freude ist nie falsch." Sie nickte zu den grauen Bonbons hinauf. "Aber jetzt wollen wir herausfinden, wie wir ihnen ihr Leuchten zurückgeben." Paco stand auf, und diesmal setzte er seine Pfoten vorsichtig, so leise wie beim Schleichen über Moos. Pling, machte der Boden, aber weich und rund. Und siehe da: ein einziges Bonbon über ihnen färbte sich wieder himbeerrot. Paco staunte. "Es hat mich gehört." Elina lächelte. "Es hat gehört, dass du auf es achtest. Das ist nicht dasselbe wie leise sein. Das ist Rücksicht."

Sie wanderten weiter durch einen Gang, dessen Wände aus durchsichtigen Karamellbonbons bestanden. Dahinter saßen kleine Zuckerwesen mit Flügeln aus Brausepapier und schliefen. "Das sind die Klangkinder", flüsterte Elina. "Sie tragen die Töne durch den Palast, aber sie erwachen nur, wenn es angenehm für sie ist." Paco betrachtete sie lange. Dann tat er etwas, an das Elina gar nicht gedacht hatte: Er setzte sich hin und wartete einfach, ohne ein Wort. Nach einer Weile öffnete das kleinste Klangkind die Augen, gähnte und flatterte durch die Karamellwand hindurch auf Pacos Schulter. "Du hast gewartet, bis ich bereit war", piepste es. "Das macht sonst niemand."

Das Klangkind zeigte ihnen den Weg nach oben, eine Wendeltreppe aus gedrehten Zuckerstangen hinauf. Oben lag ein runder Saal, und in seiner Mitte stand eine große Glasschale, in der ein einzelnes Bonbon lag, so groß wie Pacos Kopf und vollkommen grau. "Das ist das Herzbonbon", sagte Elina leise. "Von ihm bekommen alle anderen ihr Licht. Es ist schon lange erloschen." Paco trat näher. "Warum?" Das Klangkind ließ die Flügel hängen. "Weil in dem Palast lange niemand mehr aufeinander geachtet hat. Alle wollten ihren Ton am lautesten spielen. Da wurde das Herzbonbon müde und ist eingeschlafen."

Paco und Elina schauten sich an. "Dann müssen wir es wecken", sagte Paco. "Aber nicht mit Rufen." Elina überlegte. "Der Palast singt am schönsten, wenn viele Töne aufeinander hören. Vielleicht braucht das Herzbonbon genau das." Also gingen sie los und sammelten Töne ein, nicht mit den Pfoten, sondern mit Geduld. Sie fragten eine Reihe Brausebonbons, ob sie mitsummen wollten. Sie warteten, bis eine ganze Familie Sahnekaramellen ausgeschlafen war. Und bei jeder Begegnung sagte Paco zuerst: "Wollen wir zusammen? Oder ist es dir jetzt zu viel?" Fast immer wollten sie.

Am Fenster eines Seitenturms saßen drei Lakritzvögel und übten ein kleines Lied. Als Paco und Elina kamen, hörten sie sofort auf und drehten die Köpfe weg. "Es kommen immer welche und singen über uns hinweg", murrte der größte. Paco setzte sich ein Stück entfernt ins Zuckerwatteflockengras. "Wollt ihr euer Lied lieber allein?", fragte er freundlich. "Dann gehen wir wieder. Wir wollten nur zuhören." Die drei Lakritzvögel blinzelten überrascht. Dann rutschte der größte ein Stück beiseite und machte Platz. "Zuhören darfst du", sagte er. Und als er sang, hielt Paco ganz still, und Elina auch. Am Ende kamen die Vögel freiwillig mit.

So zog eine leise Prozession durch den Palast: Elina voran mit schimmerndem Fell, Paco neben ihr, das Klangkind auf seiner Schulter, dahinter Brausebonbons, Sahnekaramellen und drei Lakritzvögel. Im runden Saal stellten sie sich um die Glasschale. "Jeder nur so laut, dass er die anderen noch hören kann", sagte Elina. Und dann begannen sie. Ein Summen, ein Klingeln, ein Zirpen, ein tiefes Brummen von Pacos Brust her, und alles fügte sich ineinander wie Perlen auf eine Schnur. Das graue Herzbonbon zitterte. Ein feiner rosa Schimmer lief über seine Oberfläche, dann ein goldener, dann leuchtete es auf wie ein kleiner Sonnenaufgang mitten in der Nacht.

Und mit dem Herzbonbon erwachte der ganze Palast. Von unten nach oben sprang das Licht durch die Mauern, Bonbon für Bonbon, rot und gelb und veilchenblau, bis die Türme wie bunte Laternen in den Himmel leuchteten. Der Palast sang, und es war der schönste Klang, den Paco je gehört hatte: tausend Stimmen, und keine davon zu laut. Elina legte ihren Kopf sanft an Pacos Rücken. "Du hast ihn wieder zum Leuchten gebracht", sagte sie. "Wir", antwortete Paco und lehnte sich in ihr perlmuttfarbenes Fell. Die Klangkinder flogen langsame Kreise unter der Kuppel, die Lakritzvögel gähnten, und das große Herzbonbon glühte warm und ruhig wie eine Kerze, die man nie auspusten muss.

Paco lag zwischen Elinas Beinen im weichen Zuckerwattemoos des runden Saals und dachte nach. Am Anfang hatte er einfach gehüpft, laut und froh, und das Licht war ausgegangen. Nicht weil seine Freude falsch gewesen war, sondern weil er vergessen hatte, dass um ihn herum noch andere waren. "Jetzt weiß ich es", sagte er leise. "Rücksicht ist nicht, dass man kleiner wird. Rücksicht ist, dass man Platz lässt, damit auch die anderen leuchten können." Elina nickte langsam. "Und dann leuchtet alles heller als vorher." Über ihnen wurden die Bonbons ein wenig dunkler, nicht grau, nur schläfrig, so wie Sterne, die zur Ruhe gehen. Und während der Palast der funkelnden Bonbons ganz leise weitersang, kuschelte Paco sich tiefer in Elinas schimmerndes Fell. Schlaf du nun auch ganz sanft ein, liebes Kind. Lass Platz für die Träume der anderen, dann ist auch für deinen genug Raum. Gute Nacht.