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Gute-Nacht-Geschichte zum Vorlesen · etwa 12 Minuten

Paco und Malia, das goldene Einhorn, im magischen Tortenland

Eine ruhige Einschlafgeschichte zum Vorlesen – Paco trifft Malia, das goldene Einhorn im magischen Tortenland. Etwa 12 Minuten. Kostenlos lesen.

Tief im Bambuswald, dort wo die Halme so hoch wachsen, dass sie abends den Mond ein wenig kitzeln, lag Paco, das kleine Panda-Baby, in seinem weichen Moosnest. Das Moos war kühl und kuschelig, und rundherum war es ganz still. Nur der Wind ging leise durch die Bambusblätter und wiegte sie hin und her, als wollte er ein Schlaflied summen. Zwischen den hohen Halmen schwebten Glühwürmchen und malten kleine goldene Punkte in die Dunkelheit. Mama Panda saß neben Paco und streichelte ihm sanft über sein schwarz-weißes Fell. „Heute Nacht wartet eine besondere Traumreise auf dich", sagte sie leise. „Du wirst Malia treffen, das goldene Einhorn. Gemeinsam werdet ihr ein Land entdecken, in dem es nach warmem Kuchen duftet und in dem Berge aus Sahne stehen." Paco lächelte verschlafen und kuschelte sich tiefer ins Moos. Mama Panda deckte ihn mit einem großen Bambusblatt zu und gab ihm einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn. Dann schloss Paco die Augen, atmete tief und schlief friedlich ein.

Als Paco die Augen wieder öffnete, lag er nicht mehr im Moos, sondern auf einem Hügel aus weicher, warmer Biskuitwolle. Über ihm leuchtete ein rosafarbener Himmel, durch den kleine Sahnewolken segelten. Es duftete nach Vanille, nach Erdbeeren und nach frisch gebackenem Kuchen. Irgendwo in der Ferne gluckste ein Fluss, und als Paco genauer hinsah, floss dort tatsächlich flüssige Schokolade zwischen Ufern aus Keksbröseln. Die Blumen am Weg hatten Blüten aus Zuckerguss und klingelten leise, wenn der warme Wind sie streifte. Auf den Hügeln standen Torten, hoch wie kleine Häuser, mit Kerzen, die wie Sterne funkelten. Paco setzte sich auf, blinzelte und flüsterte staunend: „Ich glaube, ich bin im Tortenland angekommen."

Da hörte Paco ein leises Klingeln, wie von winzigen Glöckchen. Zwischen zwei Sahnehügeln kam ein Einhorn den Weg herauf, und sein Fell glänzte golden wie Honig im Sonnenlicht. Das Horn leuchtete warm und schimmerte bei jedem Schritt. „Du musst Paco sein", sagte das Einhorn freundlich. „Ich bin Malia. Ich habe schon auf dich gewartet." Paco tapste ihr entgegen, und die beiden schnupperten sich vorsichtig an, so wie es Freunde tun, die sich gleich mögen. „Heute Nacht ist das große Mondtortenfest", erzählte Malia. „Einmal in jeder Traumnacht backt die Biskuit-Eule Mirabelle die Mondtorte, und alle im Tortenland dürfen kommen." Pacos Augen wurden groß. „Dann sollten wir keine Zeit verlieren", sagte er.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum Sahnehügel, wo das Fest stattfinden sollte. Der Pfad führte sie an den Schokoladenfluss, der breit und braun und glucksend dahinfloss. „Wie kommen wir hinüber?", fragte Paco. Malia lachte leise und berührte das Wasser mit ihrem goldenen Horn. Da schwamm ein großes Waffelboot heran, knusprig und golden, mit einem Segel aus Zuckerpapier. Paco kletterte hinein, Malia stieg hinterher, und langsam trieben sie über den süßen Fluss. Am anderen Ufer wuchsen Bäume voller Sternenkirschen, die leise summten. „Die brauchen wir für die Torte", sagte Malia, und die beiden pflückten so viele, wie in Pacos kleinen Pfoten Platz hatten.

Hinter den Kirschbäumen lag der Sahnehügel, und ganz oben stand die Backstube von Mirabelle, der Biskuit-Eule. Sie hatte eine Schürze aus Marzipan und ein Küchenmützchen aus Schlagsahne. „Ihr kommt gerade richtig", rief sie und nahm die Sternenkirschen dankbar entgegen. Doch dann seufzte Mirabelle und zeigte auf den Zuckerbrunnen neben der Backstube. Aus ihm sollte sonst goldener Zuckersirup sprudeln, doch heute tropfte er nur noch müde vor sich hin. „Ohne Sirup wird die Mondtorte winzig", sagte die Eule traurig. Paco legte eine Pfote an den kühlen Brunnenrand. Malia beugte ihr leuchtendes Horn darüber. Doch der Brunnen blieb still, und in der Ferne hörte man schon die ersten Gäste über die Zuckerwege trippeln.

Als der Ofen aufging, war die Mondtorte tatsächlich so klein wie ein Apfel. Sie leuchtete silbern und duftete wunderbar, aber sie war wirklich sehr, sehr klein. Und rund um den Sahnehügel versammelten sich immer mehr Gäste: Keks-Wichtel mit krümeligen Hüten, Marzipanmäuse, eine Familie Baumkuchen-Biber und ganz hinten ein schüchterner Lebkuchen-Igel. Alle schauten erwartungsvoll auf die winzige Torte. „Für so viele reicht das nie", flüsterte ein Keks-Wichtel. Mirabelle schnitt dennoch ein einziges Stück ab und reichte es Paco. „Du bist unser Gast von weit her. Das erste Stück gehört dir." Paco hielt den kleinen Teller in den Pfoten und wurde ganz still.

Das Stück duftete nach Vanille, nach Sternenkirschen und nach Mondlicht. Pacos Bauch knurrte leise, und für einen Augenblick wollte er es einfach ganz allein aufessen. Dann aber schaute er sich um. Er sah den kleinen Lebkuchen-Igel, der ganz hinten stand und gar nicht zu hoffen wagte. Er sah die Keks-Wichtel, die ihre leeren Teller festhielten. „Malia", flüsterte Paco, „mein Bauch möchte alles haben. Aber mein Herz möchte etwas anderes." Malia senkte ihren goldenen Kopf zu ihm hinunter. „Dann höre auf dein Herz", sagte sie leise. „Es weiß oft mehr als der Bauch." Paco nickte langsam, atmete tief ein und ging mit seinem Teller quer durch die Menge zum Lebkuchen-Igel.

„Möchtest du mit mir teilen?", fragte Paco und hielt dem Igel den Teller hin. Der Lebkuchen-Igel staunte so sehr, dass seine Zuckerstacheln leise klirrten. Dann nahm er vorsichtig die Hälfte. Und in diesem Augenblick geschah etwas Wunderbares: Der Zuckerbrunnen gluckerte. Nur ganz kurz, aber Malia hob sofort den Kopf. „Hast du das gehört?", rief sie aufgeregt. Paco schaute auf seinen Teller und blinzelte. Dort, wo er die Hälfte weggegeben hatte, war das Tortenstück wieder ganz. Mirabelle klappte vor Erstaunen beide Flügel auf. „Der Brunnen", flüsterte sie. „Er heißt nicht ohne Grund Zuckerbrunnen der geteilten Freude. Ich hatte es fast vergessen."

Jetzt verstanden Paco und Malia das Geheimnis des Tortenlandes. Was man für sich behielt, blieb klein. Was man teilte, wurde mehr. Paco stellte sich auf einen umgedrehten Kuchenteller und rief so laut, wie ein Panda-Baby rufen kann: „Gebt euren Nachbarn etwas ab! Dann bekommen alle genug!" Die Gäste sahen sich unsicher an. Da nahm Malia ihr eigenes Stückchen, das Mirabelle ihr gerade gereicht hatte, und legte die Hälfte einer Marzipanmaus in die Pfoten. Ihr Horn leuchtete dabei so hell, dass der ganze Hügel golden schimmerte. Ein Keks-Wichtel wagte es als Nächster. Dann ein Biber. Dann noch einer. Und mit jedem geteilten Stück gluckerte der Brunnen ein wenig lauter.

Plötzlich schoss ein goldener Strahl aus dem Zuckerbrunnen hoch in den rosafarbenen Himmel. Warmer Sirup regnete in feinen Tropfen über den Sahnehügel, und die kleine Mondtorte begann zu wachsen. Sie wuchs und wuchs, Stockwerk um Stockwerk, bis sie höher war als die größte Sahnewolke. Kerzen entzündeten sich von selbst, Sternenkirschen sprangen wie kleine Lichter auf die Sahne, und aus den Sahnewolken klang eine leise, feine Musik. Paco saß auf Malias Rücken, und gemeinsam umrundeten sie die riesige Torte, immer höher, immer staunender. „Wir haben sie nicht gefunden", rief Paco glücklich. „Wir haben sie gemacht. Alle zusammen." Malia lachte, und ihr Lachen klang wie Glöckchen im Wind.

Danach wurde es ruhig und gemütlich auf dem Sahnehügel. Jeder hatte einen Teller, jeder hatte genug, und niemand musste mehr warten. Der Lebkuchen-Igel saß nun mitten in der Gesellschaft und erzählte lachend, dass er noch nie an einem Fest teilgenommen hatte. Mirabelle summte ein altes Backlied, und der Zuckerbrunnen plätscherte leise und zufrieden. Paco lehnte sich an Malias warmes goldenes Fell, und Malia legte ihren Hals um ihn wie eine weiche Decke. Über ihnen wanderten die Sahnewolken langsam weiter, und der rosa Himmel wurde tief und dunkelblau. „Das war das schönste Fest von allen", gähnte Paco. „Weil es allen gehörte", sagte Malia sanft.

Während die Kerzen auf der großen Mondtorte eine nach der anderen leiser wurden, dachte Paco über den Tag nach. Er hatte etwas gelernt, das er nie mehr vergessen wollte: Wenn man etwas Schönes teilt, wird es nicht kleiner, sondern größer. Freude wächst, wenn man sie weitergibt, und ein Stück Kuchen schmeckt am besten, wenn noch jemand neben dir sitzt und mitschmatzt. „Ich glaube, teilen ist selbst ein kleines Stück Zauber", flüsterte er. „Das schönste von allen", antwortete Malia und legte ihr leuchtendes Horn sanft neben ihn. Ganz weich sank Paco in die warme Biskuitwolle, und Malias goldenes Licht wurde zu einem ruhigen Schimmer, wie ein Nachtlicht. Und nun schlaf auch du ganz sanft ein, du liebes Kind. Kuschel dich ein, so warm und geborgen wie Paco im Tortenland. Denk daran: Auch du hast etwas, das du morgen teilen kannst, und sei es nur ein Lächeln. Schlaf gut, träum süß, und träum vielleicht ein wenig von Sahnewolken.