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Gute-Nacht-Geschichte zum Vorlesen · etwa 12 Minuten

Paco und Fino, der türkise Drache, auf der Insel der schlafenden Regenbogen

Eine ruhige Einschlafgeschichte zum Vorlesen – Paco trifft Fino, der türkise Drache auf der Insel der schlafenden Regenbogen. Etwa 12 Minuten. Kostenlos lesen.

Tief im Bambuswald, wo die Halme so hoch wuchsen, dass sie den Abendhimmel in schmale Streifen teilten, lag Paco, das kleine Panda-Baby, in seinem weichen Moosnest. Das Moos war kühl und kuschelig zugleich, und es roch nach Regen und frischen Blättern. Zwischen den Bambushalmen schwebten unzählige Glühwürmchen und malten kleine goldene Punkte in die Dämmerung. Ein sanfter Wind strich durch den Wald und bewegte die Bambusblätter, sodass sie leise raschelten wie ein Lied ohne Worte. Mama Panda saß neben Paco und streichelte ihm langsam über sein weiches Fell. „Heute Nacht", flüsterte sie, „reist du weit fort. Ein türkiser Drache wartet auf dich. Er heißt Fino, und er ist genauso klein und genauso mutig wie du." Paco blinzelte verschlafen. „Und wohin gehen wir?", fragte er leise. „Auf die Insel der schlafenden Regenbogen", sagte Mama Panda lächelnd. Dann gab sie ihm einen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn, deckte ihn mit einem großen Bambusblatt zu, und Paco schloss die Augen und schlief friedlich ein.

Als Paco die Augen wieder öffnete, lag er nicht mehr in seinem Moosnest, sondern im warmen, hellen Sand einer kleinen Insel. Der Sand schimmerte wie zerriebene Muschelperlen und war angenehm weich unter seinen Pfoten. Vor ihm rollten silberne Wellen an den Strand und machten dabei ein Geräusch wie leises Lachen. Die Luft roch süß nach Honigblüten und Salz. Über der Insel hing ein weicher Nebel, und darin schwebten winzige Farbtropfen: ein bisschen Rot, ein bisschen Gelb, ein bisschen Blau, als hätte jemand einen Regenbogen in tausend Tautropfen zerlegt. Palmen mit gläsernen Blättern klingelten im Wind. Und überall lagen große Muschelschalen im Sand, geschlossen und still, als würden sie etwas ganz Kostbares in sich tragen. Paco setzte sich auf und staunte.

Plötzlich raschelte es über ihm. Etwas Türkisfarbenes segelte durch den Nebel, drehte eine kleine Schleife und landete mit einem weichen Plumps im Sand. Es war ein Drache, nicht größer als Paco selbst. Seine Schuppen leuchteten türkis wie flaches Meerwasser bei Sonnenschein, seine Flügel waren zart wie Libellenflügel, und am Schwanz trug er eine kleine türkise Spitze. „Du bist Paco", sagte der Drache freudig. „Ich habe dich erwartet. Ich heiße Fino." Paco lachte. „Woher wusstest du, dass ich komme?" „Die Insel hat es mir gesagt", antwortete Fino. „Sie flüstert, wenn jemand Neues träumt." Dann streckte er Paco eine Kralle hin, und Paco legte seine Pfote hinein. Es fühlte sich warm an, wie eine Hand, die man schon lange kennt.

Fino führte Paco zu einer der großen Muschelschalen und klopfte sanft dagegen. „Hier drin schläft ein Regenbogen", sagte er. „Auf dieser Insel schlafen sie alle. Zusammengerollt wie Katzen, ganz blass, und sie warten." Paco beugte sich vor. Durch den Spalt sah er tatsächlich ein schmales, farbloses Band, das sich langsam hob und senkte wie ein Atem. „Warum wachen sie nicht auf?", fragte er. Fino schaute zum Himmel, der grau und leer war. „Weil der Große Regenbogen schläft. Er liegt oben auf dem Leuchtberg in seiner Wiege. Wenn er erwacht, wachen alle anderen mit auf, und die Insel wird bunt." Paco sah den kahlen Berg in der Ferne. „Dann gehen wir hin", sagte er. Fino nickte langsam, aber seine Flügel zitterten ein wenig.

Bevor sie losgingen, wollte Paco es versuchen. Er hielt seine Pfote über die Muschel und rief: „Wach auf, kleiner Regenbogen!" Nichts geschah. Fino legte den Kopf schief. „So geht das nicht", sagte er leise. „Ein Regenbogen wacht nur auf, wenn jemand die Augen schließt. Er will spüren, dass man ihm glaubt, bevor man ihn sieht." Das klang seltsam. Trotzdem schloss Paco die Augen, streckte die Pfote aus und wartete ganz still. Erst spürte er nur den Wind. Dann kitzelte etwas Warmes seine Pfote, leicht wie ein Schmetterling. Als er blinzelte, saß ein handkleiner Regenbogen auf seinem Arm und leuchtete rosa und gold. „Er hat dir vertraut", flüsterte Fino, „weil du ihm zuerst vertraut hast."

Der kleine Regenbogen rollte sich auf Pacos Schulter zusammen und blieb dort wie ein warmer Schal. Gemeinsam machten sich Paco und Fino auf den Weg. Sie liefen durch ein Feld aus Glockenblumen, die bei jedem Schritt leise klangen, und an einem Bach entlang, in dem das Wasser bergauf floss. Immer wenn sie an einer Abzweigung stehen blieben, hob der kleine Regenbogen einen seiner Farbstreifen und zeigte in eine Richtung. „Woher weiß er den Weg?", fragte Paco. „Er weiß ihn nicht", sagte Fino. „Er fühlt ihn." Paco nickte, und sie gingen weiter dorthin, wohin der Streifen zeigte, ohne zu fragen, ob es stimmte. Der Leuchtberg kam Schritt für Schritt näher.

Dann kamen sie an eine Bucht, die ganz voll Nebel war, weiß und dicht wie Milch. Paco konnte nicht einmal seine eigenen Pfoten sehen. „Da hindurch?", fragte er unsicher. „Es ist der kürzeste Weg", sagte Fino. „Ich fliege ein Stück über dir, da ist die Luft klar. Ich sage dir, wohin du gehen musst." Paco schluckte. Dann ging er los. „Links", rief Fino von oben. „Jetzt geradeaus. Jetzt ein großer Schritt." Paco tat genau das, obwohl er nichts sah als Weiß. Einmal blieb er stehen, weil ihm der Boden falsch vorkam. „Vertrau mir", sagte Finos Stimme ruhig. Und Paco ging weiter. Als der Nebel endete, stand er genau vor einem sicheren Pfad.

Am Fuß des Leuchtbergs endete der Pfad plötzlich an einer Felskante. Zwischen ihnen und dem Berg lag eine tiefe, weiche Wolkenschlucht. Es gab keine Treppe und keine Brücke. „Früher war hier ein Regenbogenbogen", sagte Fino traurig. „Er zeigt sich erst, wenn jemand den ersten Schritt macht." Paco schaute hinunter. Unten wogten Wolken wie Kissen. „Dann mach du ihn", sagte er. Fino senkte den Kopf. „Ich habe es einmal versucht und mich nicht getraut. Meine Flügel sind noch klein. Was, wenn ich dich nicht halten kann?" Paco sah ihn lange an. Dann sagte er ganz ruhig: „Ich habe dir im Nebel vertraut. Jetzt bist du dran, dir selbst zu vertrauen."

Fino atmete tief ein. Dann hob er eine Kralle, schloss die Augen und setzte den Fuß ins Leere. Paco hielt den Atem an. Doch Fino fiel nicht. Unter seiner Kralle glomm ein schmaler Streifen Licht auf, erst blass, dann leuchtend rot und orange. Mit jedem weiteren Schritt wuchs der Bogen weiter, grün, blau, violett, bis er sich wie eine breite, warme Straße über die Wolkenschlucht spannte. „Komm", rief Fino, und seine Stimme klang plötzlich ganz stark. Paco kletterte auf seinen türkisen Rücken, und gemeinsam liefen sie hinüber. Der Regenbogen federte unter ihren Schritten wie weiches Moos. Paco spürte, wie fest und sicher sich alles anfühlte, und drückte Fino dankbar an den Hals.

Oben auf dem Leuchtberg lag eine Wiege aus weißem Stein, groß wie ein Boot. Darin schlief der Große Regenbogen, zusammengerollt und blass wie Milchglas. Paco und Fino riefen nicht und rüttelten nicht. Sie legten sich einfach rechts und links neben ihn, schlossen die Augen und blieben ganz still. „Wir sind da", flüsterte Paco. „Du kannst dich auf uns verlassen." Eine Weile geschah nichts. Dann wurde es warm. Etwas hob sich unter ihnen, sanft wie eine Welle. Als sie die Augen öffneten, war die Wiege leer, und über der ganzen Insel spannte sich ein riesiger Regenbogen von einem Meer zum anderen. Und unten am Strand sprangen die Muschelschalen auf, eine nach der anderen.

Hunderte kleine Regenbogen streckten sich, gähnten in allen Farben und stiegen langsam in den Himmel, wo sie sich wie Bänder um den großen Bogen legten. Die Insel leuchtete nun überall: die Glockenblumen, das Meer, sogar der Nebel in der Bucht schimmerte jetzt rosa. Paco und Fino setzten sich an den Rand des Leuchtbergs und ließen die Beine baumeln. Der kleine Regenbogen von der ersten Muschel machte es sich zwischen ihnen gemütlich. „Ich hätte es allein nie geschafft", sagte Fino leise. „Musstest du ja auch nicht", antwortete Paco und lehnte sich an seine warme türkise Schulter. Über ihnen wurde der Himmel weich und dunkel, und die Farben glühten ruhig weiter.

Während Paco in den leuchtenden Himmel schaute, verstand er etwas, das er vorher nicht gewusst hatte. Vertrauen war nichts, was man erst bekam, wenn alles sicher war. Vertrauen war das, was man zuerst gab. Er hatte die Augen geschlossen, bevor der kleine Regenbogen erwacht war. Er war in den Nebel gegangen, bevor er den Weg sehen konnte. Und Fino hatte einen Schritt ins Leere gemacht, bevor die Brücke da war. Genau deshalb war alles gut geworden. „Man muss nicht alles sehen", sagte Paco leise. „Man muss nur wissen, wer neben einem ist." Fino legte einen Flügel um ihn wie eine türkise Decke. Und auch du, liebes Kind, darfst jetzt ganz ruhig werden. Schließ deine Augen, so wie Paco es getan hat. Jemand passt auf dich auf, auch wenn du es gerade nicht sehen kannst. Die Regenbogen leuchten über dir, warm und weich, die ganze Nacht. Schlaf gut und träum schön.